Spätnachmittags auf dem Hochfelln

Chiemsee, Hochgern und Kampenwand - Hochfelln Gipfelkreuz

„Der Aufstieg lohnt sich“ steht im Tourenführer. „Die Seilbahnfahrt lohnt sich“ im Tourismusprospekt. Ich starte gegen 16 Uhr an der Steinbergalm. Mit der Sicherheit im Gepäck, dass an diesem Abend ein Regengebiet durch den Chiemgau ziehen wird und dass ich SO nicht wieder aus dem Parkplatz kommen werde. Kein Kleingeld dabei. 🙁 Kurz vor der Bründlingalm werde ich Zeuge eines – ich vermute – Instagram Shootings. Meine Klamotten verblassen angesichts des zur Schau getragenen alpinen Lifestyles. „Ich hoffe, es lohnt sich“, seufze ich im Vorbeigehen, Rotgeschminktes lächelt mich mitleidig an, das Klappern der Biergläser auf der Alm verdunstet im Vorbeigehen in der schwüler werdenen Luft.

Fünf Menschen, die mir entgegenkommen, eine letzte Gondel des Tages mit Masquillas und Masquillos, dann bin ich alleine unterwegs. Nein – ich werde mich nicht mit einem Lappen im Gesicht auf einen Berg befördern lassen. Ja, ich finde diese Drangsal mehr als lächerlich. Und so fordert die innere Revolution ihren Tribut. Der in diesem Fall konsequentes Ein- und Ausatmen heißt. Die Tour ist nicht schwer, kurz vor 18 Uhr bin ich am Gipfel – und zu meiner großen Freude ist absolut niemand weiter da. Der Aufstieg lohnt sich also doch. Schon deswegen, weil der Tiefblick zum Chiemsee mit zunehmender Höhe immer geiler wird.

Seit sechs Wochen sind meine Gipfelbrote mindestens vegetarisch. Nach einem vergurkten Shooting mit rohem Fleisch für ein Hundefutterstartupunternehmen vor zwei Monaten bekomme ich das nicht mehr runter. Weder verarbeitet noch gebraten oder gar gegart. Fotografieren als Aversionstherapie, Synapsen und Rezeptoren im Widerstand.

Wie machen das die Fotografen für die bunten Supermarktprospekte? Leber, Niere, Lunge, Ente, Lamm und Schwein. Irgendwer muss das ja ablichten? Prospekt für Prospekt, Woche für Woche.

Dreimal ins Veggiebrot gebissen, die ersten Tropfen kommen, eine Regenfahne über der Kampenwand, eine weitere über der Hochplatte. Es gibt übrigens eine App namens „Rain Today“, die in ihrer zweistündigen Voraussage absolut zuverlässig ist. Auch diesmal Also Kleidung wechseln, warm anziehen.

Fotos machen, deswegen bin ich hier. Die Kontraste an diesem Abend sind beeindruckend, blaudunkles Farbspiel im Westen – vor mir der Chiemsee silbern im bronzenen Teller der Umgebung. Wandern wie ein König. Es lohnt sich. Mit einem kalten Schlag erreichen Wind und Wetter den Gipfel. Alles in den Rucksack und wieder runter. Patschnass – trotz Regenkleidung. Bis zum Parkplatz. Mir fehlen lediglich 10 Cent für die Ausfahrt. Geduld ist die höchste Form der Tapferkeit, nach einer halben Stunde ist eine sanfte Bewegung in der Steinberg Alm zu spüren. Wechselgeld. Frei.

Es gibt eine herrliche Retro-Page zum Hochfelln. Wie Ende der 80er. Kein überkandideltes Cookiegedöns, nix https, keine hochgehängte Suchmaschinenoptimierung … alles funktioniert – man findet trotzdem, was man sucht.

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